Auswertung der Umfrage zu Hindernissen im Straßenverkehr für Lastenräder

Vom 8.März - 21. März 2021 haben wir in einer Online-Befragung Lastenrad- und Fahrradfahrer*innen nach Hindernissen im Straßenverkehr gefragt. Für welche Hindernisse würden große Umwege in Kauf genommen werden und wie häufig kommen diese Hindernisse in der eigenen Stadt vor?

Der Fragebogen mit Fragen und Antwortmöglichkeiten kann hier eingesehen werden.

Hier werden nun die Ergebnisse evaluiert.

tl;dr: die Zusammenfassung

  • 277 (28% weiblich) Personen im Schnitt von 39 Jahren haben den Fragebogen ausgefüllt, davon 75% für Lastenradräder und 25% für Fahrräder.
  • Lastenfahrende sind im Schnitt zu größeren Umwegen bereits als Fahrradfahrende
  • Alle Fahrradtypen sind insbesondere bereit Umwege in Kauf zu nehmen, um Auto- und Fußverkehr zu umfahren
  • Je nach Nutzungstyp lässt sich zusätzlich unterscheiden:
    • Für Kindertransporte stehen Sicherheitsaspekte im Vordergrund: Hauptstraßen ohne Schutzstreifen und gefährliche Kreuzungen werden eher umfahren.
    • Für gewerbliche Nutzung stehen Geschwindigkeitsaspekte wie Stau durch Autos oder schlecht passierbarer Fußverkehr im Vordergrund.
  • Für verschiedene Lastenradmodelle sind unterschiedliche Hindernisse problematisch
    • für breite Schwerlasträder sind Poller problematisch und Umfahren eher Steigung
    • Mehrspurige Lastenräder haben mit Bordsteinen größere Probleme
    • Mehrspurige Frontloader umfahren eher unebene Straßen und Kopfsteinplaster als andere Fahrradtypen

Detaillierte Analyse

Die Auswertung der Fragen im Detail:

Stichprobe

Es haben x Personen an der Umfrage teilgenommen (68% männlich, 28% weiblich, <1% nicht-binär, 3% keine Angabe). Im Mittel waren die Befragten 39 Jahre alt (38 im Median), in einer Range von 20 bis 68 Jahren.

Stadt

Die meisten Befragten stammen aus Berlin (131). Danach folgen Münster (18), Hamburg (15) und Stuttgart (11). Mindestens 5 Antworten kamen auch aus München, Kiel, Frankfurt a.M., Düsseldorf, Wien, Osnabrück und Bonn. 131 weitere Antworten stammen aus Orten mit weniger als 5 Angaben oder haben keine Angabe gemacht.

Fahrradtyp

75% der Befragten sind Lastenradfahrer*innen und 25% fahren normales Fahrrad. Der einspurige Frontloader ist in dieser Stichprobe das häufigste Lastenrad (65%, n = 135), danach folgt der mehrspurige Frontloader (22%, n = 46), Schwerlast (5%, n = 12), Longtail (3%, n = 6) und Anhänger (2%, n = 6) und Post bike (2%, n = 2).

##     Fahrradtyp   n percent
##        Fahrrad  70   25.3%
##  Lastenfahrrad 207   74.7%

Wie zu erwarten werden Schwerlasträder hauptsächlich in der gewerblichen Nutzung eingesetzt. Die Mehrspurigen Frontloader dienen zum Großteil (61%) dem Transport von Kindern während die einspurigen zwar auch für 42% für Kindertransport, aber häufiger (55%) für den Transport von Gegenständen oder für gewerbliche Nutzung zum Einsatz kommen.

##                         Nutzung Anhänger Frontloader (einspurig)
##             gewerbliche Nutzung     0.0%                    8.1%
##  privater Transport Gegenstände    83.3%                   47.4%
##           Transport von Kindern    16.7%                   42.2%
##                            <NA>     0.0%                    2.2%
##  Frontloader (mehrspurig) Longtail (einspurig) Post bike (einspurig)
##                      2.2%                 0.0%                100.0%
##                     34.8%                33.3%                  0.0%
##                     60.9%                66.7%                  0.0%
##                      2.2%                 0.0%                  0.0%
##  Schwerlast (mehrspurig)
##                    83.3%
##                     8.3%
##                     0.0%
##                     8.3%

Während 60% der Frauen das Lastenrad hauptsächlich zum Transport von Kindern nutzen, verteilt es sich bei Männern zu 44% auf gewerbliche Nutzung, 33% Transport von Gegenständen und 25% Transport von Kindern.

##                         Nutzung männlich weiblich
##             gewerbliche Nutzung       22        1
##  privater Transport Gegenstände       64       21
##           Transport von Kindern       50       37
##                         Nutzung männlich weiblich
##             gewerbliche Nutzung    41.9%     6.1%
##  privater Transport Gegenstände    33.0%    34.5%
##           Transport von Kindern    25.2%    59.4%

Häufigkeit unbekannter Routen & Routing

Wie erwartet werden für gewerbliche Nutzung deutlich häufiger unbekannte Routen gefahren: 38% der Fahrer*innen geben (sehr) häufig unkeannte Routen zu fahren (5 oder 6 auf der Skala). Bei privatem Transport von Gegenständen sind dies nur 18% und bei Transport von Kindern 10%. 2 Personen - damit 12% der gewerblich Fahrenden - geben auch an nur sehr selten (1 auf der Skala) unbekannte Routen zu fahren. In der privaten Nutzung sind dies nur 5% bzw. 0%.

Zufriedenheit Infrastruktur

Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) - 6 (sehr zufrieden) ist die Zufriedenheit im Schnitt bei 2.5. Niemand der Befragten ist “sehr zufrieden”. Die Befragten in München sind am zufriedensten, Stuttgart landet auf dem vorletzten Platz. Diese Vergleiche sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, da für die meisten Städte nur sehr kleine Stichprobenzahlen (< 10) vorliegen.

##    Min. 1st Qu.  Median    Mean 3rd Qu.    Max. 
##   1.000   2.000   2.000   2.466   3.000   5.000

Routing

Fast 30% der Befragten nutzt Google Maps als Routing. An zweiter Stelle steht Komoot mit 21% und OpenStreetMap mit 9% auf Platz 3. 27% verwenden gar kein Routing. Weitere mehrfach genannte Dienste sind Bikemap, Brouter, OsmAnd+, bbike.de und Naviki.

Während in der gewerblichen Nutzung über 50% Google Maps verwenden, nutzt ein Drittel der Befragten die privat Lastenrad fahren gar kein Routing.

Die Zufriedenheit mit den verschiedenen Routing Services ist im Mittel bei 3.5 und liegt damit genau in der Mittel zwischen unzufrieden und zufrieden. Während die Zufriedenheit mit Google Maps am geringsten ist, scheinen kleinere Anbieter (zusammengefasst unter “Sonstiges”) am besten abzuschneiden.

##    Min. 1st Qu.  Median    Mean 3rd Qu.    Max.    NA's 
##   1.000   3.000   4.000   3.458   4.000   5.000      76

Bereitschaft für Umwege

Insgesamt scheint die Bereitschaft Umwege in Kauf zu nehmen vor allem gegeben, um Autos und Fußgängern auszuweichen. So landen auf den ersten vier Plätzen: Umwege in Fußgängerzonen (Absteigen notwendig), Hauptstraßen ohne Schutzstreifen, Stau durch Autoverkehr und geteilter Weg mit FUßgänger*innen.

Je nach Fahrradtyp und Nutzungsart unterscheidet sich diese Einschätzung jedoch.

## # A tibble: 13 x 2
##    Variablenname          Frage                                                 
##    <chr>                  <chr>                                                 
##  1 Umweg_Stau_Autoverkehr nicht / kaum passierbarer Stau durch Autoverkehr      
##  2 Umweg_schmaler_Radweg  schmale Radwege (< 1,5 m)                             
##  3 Umweg_Kopfsteinpflast… Kopfsteinplaster                                      
##  4 Umweg_unebener_Belag   unebener Straßenbelag (z.B. durch Wurzeln und Schlagl…
##  5 Umweg_Bordsteine       Bordsteine                                            
##  6 Umweg_Poller           Poller / Drängelgitter                                
##  7 Umweg_Fussverkehr      Fußverkehr (z.B. geteilter Fuß- und Radweg)           
##  8 Umweg_Baustellen       Baustellen auf der Fahrbahn                           
##  9 Umweg_Steigung         Steigung                                              
## 10 Umweg_Kreuzung         Gefährliche Kreuzungen                                
## 11 Umweg_kein_Schutzstre… Hauptstraßen ohne Schutzstreifen (dichtes, schnelles …
## 12 Umweg_Gegenverkehr     schlecht passierbarer Gegenverkehr (z.B. Einbahnstraß…
## 13 Umweg_Fussgaengerzone  Fußgängerzone: Radfahrende müssen absteigen

Einschätzung insgesamt

Unterscheidung nach Fahrradtyp

Wie erwartet sind mehrspurige Lastenräder zu den größten Umwegen bereit. Dann folgen Anhänger, einspurige Lastenräder. Normale Fahrräder sind zu den geringsten Umwegen bereit - jedoch unterscheiden sie sich nur minimal von den einspurigen Frontloadern.

## # A tibble: 5 x 2
##   Typ_all                  `Mittelwert Umwege gesamt`
##   <chr>                                         <dbl>
## 1 Schwerlast (mehrspurig)                        3.23
## 2 Frontloader (mehrspurig)                       3.21
## 3 Anhänger                                       3.08
## 4 Frontloader (einspurig)                        2.72
## 5 Fahrrad                                        2.68

Während für alle Fahrradtypen die Bereitschaft zur Umfahrung von Auto- und Fußverkehr groß ist, sind vor allem für Schwerlasträder Poller ein Problem. Der nicht vorhandene Schutzstreifen für mehrspurige Frontloader das Hindernis, das am weitesten umfahren werden würde und hängt höchstwahrscheinlich mit der starken Nutzung für Kindertransporte zusammen. Kopfsteinpflaster ist für Schwerlasträder überraschenderweise kaum ein Problem. Möglicherweise sind hier die Räder robuster gebaut oder besser gefedert. Bordsteine scheinen für die mehrspurigen Räder ebenfalls ein größeres Hindernis als für die einspurigen Räder zu sein. Steigung ist interessanterweise für keinen der Fahrradtypen eine große Hürde - selbst ohne Elektroantrieb.

Umweg für Steigung mit und ohne E-Antrieb

## # A tibble: 4 x 4
## # Groups:   Fahrradtyp [2]
##   Fahrradtyp    Eantrieb `durchschnittlicher Umweg in Minuten` Anzahl
##   <chr>         <chr>                                    <dbl>  <int>
## 1 Fahrrad       ja                                        1.69     13
## 2 Fahrrad       nein                                      1.75     57
## 3 Lastenfahrrad ja                                        1.31    148
## 4 Lastenfahrrad nein                                      1.49     59

Umwege nach Nutzung

Häufigkeit von Hindernissen

Wie häufig treten welche Hindernisse auf einer Skala von 1: sehr selten bis 5: sehr häufig auf?

Da die meisten Antworten aus Berlin kommen, kann hier die Gesamtübersicht nicht global betrachtet werden. Stattdessen sollte jede Stadt für sich betrachtet werden.

Schmale Radwege, unebener Belag, gefährliche Kreuzungen und Hauptstraßen ohne Schutzstreifen oder Radweg gibt es in einigen Städten. In Stuttgart sind zusätzlich besonders Steigung, Bordsteine und enge Straßen häufig zu finden.