Vom 8.März - 21. März 2021 haben wir in einer Online-Befragung Lastenrad- und Fahrradfahrer*innen nach Hindernissen im Straßenverkehr gefragt. Für welche Hindernisse würden große Umwege in Kauf genommen werden und wie häufig kommen diese Hindernisse in der eigenen Stadt vor?
Der Fragebogen mit Fragen und Antwortmöglichkeiten kann hier eingesehen werden.
Hier werden nun die Ergebnisse evaluiert.
Die Auswertung der Fragen im Detail:
Es haben x Personen an der Umfrage teilgenommen (68% männlich, 28% weiblich, <1% nicht-binär, 3% keine Angabe). Im Mittel waren die Befragten 39 Jahre alt (38 im Median), in einer Range von 20 bis 68 Jahren.
Stadt
Die meisten Befragten stammen aus Berlin (131). Danach folgen Münster (18), Hamburg (15) und Stuttgart (11). Mindestens 5 Antworten kamen auch aus München, Kiel, Frankfurt a.M., Düsseldorf, Wien, Osnabrück und Bonn. 131 weitere Antworten stammen aus Orten mit weniger als 5 Angaben oder haben keine Angabe gemacht.
Fahrradtyp
75% der Befragten sind Lastenradfahrer*innen und 25% fahren normales Fahrrad. Der einspurige Frontloader ist in dieser Stichprobe das häufigste Lastenrad (65%, n = 135), danach folgt der mehrspurige Frontloader (22%, n = 46), Schwerlast (5%, n = 12), Longtail (3%, n = 6) und Anhänger (2%, n = 6) und Post bike (2%, n = 2).
## Fahrradtyp n percent
## Fahrrad 70 25.3%
## Lastenfahrrad 207 74.7%
Wie zu erwarten werden Schwerlasträder hauptsächlich in der gewerblichen Nutzung eingesetzt. Die Mehrspurigen Frontloader dienen zum Großteil (61%) dem Transport von Kindern während die einspurigen zwar auch für 42% für Kindertransport, aber häufiger (55%) für den Transport von Gegenständen oder für gewerbliche Nutzung zum Einsatz kommen.
## Nutzung Anhänger Frontloader (einspurig)
## gewerbliche Nutzung 0.0% 8.1%
## privater Transport Gegenstände 83.3% 47.4%
## Transport von Kindern 16.7% 42.2%
## <NA> 0.0% 2.2%
## Frontloader (mehrspurig) Longtail (einspurig) Post bike (einspurig)
## 2.2% 0.0% 100.0%
## 34.8% 33.3% 0.0%
## 60.9% 66.7% 0.0%
## 2.2% 0.0% 0.0%
## Schwerlast (mehrspurig)
## 83.3%
## 8.3%
## 0.0%
## 8.3%
Während 60% der Frauen das Lastenrad hauptsächlich zum Transport von Kindern nutzen, verteilt es sich bei Männern zu 44% auf gewerbliche Nutzung, 33% Transport von Gegenständen und 25% Transport von Kindern.
## Nutzung männlich weiblich
## gewerbliche Nutzung 22 1
## privater Transport Gegenstände 64 21
## Transport von Kindern 50 37
## Nutzung männlich weiblich
## gewerbliche Nutzung 41.9% 6.1%
## privater Transport Gegenstände 33.0% 34.5%
## Transport von Kindern 25.2% 59.4%
Häufigkeit unbekannter Routen & Routing
Wie erwartet werden für gewerbliche Nutzung deutlich häufiger unbekannte Routen gefahren: 38% der Fahrer*innen geben (sehr) häufig unkeannte Routen zu fahren (5 oder 6 auf der Skala). Bei privatem Transport von Gegenständen sind dies nur 18% und bei Transport von Kindern 10%. 2 Personen - damit 12% der gewerblich Fahrenden - geben auch an nur sehr selten (1 auf der Skala) unbekannte Routen zu fahren. In der privaten Nutzung sind dies nur 5% bzw. 0%.
Zufriedenheit Infrastruktur
Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) - 6 (sehr zufrieden) ist die Zufriedenheit im Schnitt bei 2.5. Niemand der Befragten ist “sehr zufrieden”. Die Befragten in München sind am zufriedensten, Stuttgart landet auf dem vorletzten Platz. Diese Vergleiche sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, da für die meisten Städte nur sehr kleine Stichprobenzahlen (< 10) vorliegen.
## Min. 1st Qu. Median Mean 3rd Qu. Max.
## 1.000 2.000 2.000 2.466 3.000 5.000
Routing
Fast 30% der Befragten nutzt Google Maps als Routing. An zweiter Stelle steht Komoot mit 21% und OpenStreetMap mit 9% auf Platz 3. 27% verwenden gar kein Routing. Weitere mehrfach genannte Dienste sind Bikemap, Brouter, OsmAnd+, bbike.de und Naviki.
Während in der gewerblichen Nutzung über 50% Google Maps verwenden, nutzt ein Drittel der Befragten die privat Lastenrad fahren gar kein Routing.
Die Zufriedenheit mit den verschiedenen Routing Services ist im Mittel bei 3.5 und liegt damit genau in der Mittel zwischen unzufrieden und zufrieden. Während die Zufriedenheit mit Google Maps am geringsten ist, scheinen kleinere Anbieter (zusammengefasst unter “Sonstiges”) am besten abzuschneiden.
## Min. 1st Qu. Median Mean 3rd Qu. Max. NA's
## 1.000 3.000 4.000 3.458 4.000 5.000 76
Insgesamt scheint die Bereitschaft Umwege in Kauf zu nehmen vor allem gegeben, um Autos und Fußgängern auszuweichen. So landen auf den ersten vier Plätzen: Umwege in Fußgängerzonen (Absteigen notwendig), Hauptstraßen ohne Schutzstreifen, Stau durch Autoverkehr und geteilter Weg mit FUßgänger*innen.
Je nach Fahrradtyp und Nutzungsart unterscheidet sich diese Einschätzung jedoch.
## # A tibble: 13 x 2
## Variablenname Frage
## <chr> <chr>
## 1 Umweg_Stau_Autoverkehr nicht / kaum passierbarer Stau durch Autoverkehr
## 2 Umweg_schmaler_Radweg schmale Radwege (< 1,5 m)
## 3 Umweg_Kopfsteinpflast… Kopfsteinplaster
## 4 Umweg_unebener_Belag unebener Straßenbelag (z.B. durch Wurzeln und Schlagl…
## 5 Umweg_Bordsteine Bordsteine
## 6 Umweg_Poller Poller / Drängelgitter
## 7 Umweg_Fussverkehr Fußverkehr (z.B. geteilter Fuß- und Radweg)
## 8 Umweg_Baustellen Baustellen auf der Fahrbahn
## 9 Umweg_Steigung Steigung
## 10 Umweg_Kreuzung Gefährliche Kreuzungen
## 11 Umweg_kein_Schutzstre… Hauptstraßen ohne Schutzstreifen (dichtes, schnelles …
## 12 Umweg_Gegenverkehr schlecht passierbarer Gegenverkehr (z.B. Einbahnstraß…
## 13 Umweg_Fussgaengerzone Fußgängerzone: Radfahrende müssen absteigen
Einschätzung insgesamt
Unterscheidung nach Fahrradtyp
Wie erwartet sind mehrspurige Lastenräder zu den größten Umwegen bereit. Dann folgen Anhänger, einspurige Lastenräder. Normale Fahrräder sind zu den geringsten Umwegen bereit - jedoch unterscheiden sie sich nur minimal von den einspurigen Frontloadern.
## # A tibble: 5 x 2
## Typ_all `Mittelwert Umwege gesamt`
## <chr> <dbl>
## 1 Schwerlast (mehrspurig) 3.23
## 2 Frontloader (mehrspurig) 3.21
## 3 Anhänger 3.08
## 4 Frontloader (einspurig) 2.72
## 5 Fahrrad 2.68
Während für alle Fahrradtypen die Bereitschaft zur Umfahrung von Auto- und Fußverkehr groß ist, sind vor allem für Schwerlasträder Poller ein Problem. Der nicht vorhandene Schutzstreifen für mehrspurige Frontloader das Hindernis, das am weitesten umfahren werden würde und hängt höchstwahrscheinlich mit der starken Nutzung für Kindertransporte zusammen. Kopfsteinpflaster ist für Schwerlasträder überraschenderweise kaum ein Problem. Möglicherweise sind hier die Räder robuster gebaut oder besser gefedert. Bordsteine scheinen für die mehrspurigen Räder ebenfalls ein größeres Hindernis als für die einspurigen Räder zu sein. Steigung ist interessanterweise für keinen der Fahrradtypen eine große Hürde - selbst ohne Elektroantrieb.
Umweg für Steigung mit und ohne E-Antrieb
## # A tibble: 4 x 4
## # Groups: Fahrradtyp [2]
## Fahrradtyp Eantrieb `durchschnittlicher Umweg in Minuten` Anzahl
## <chr> <chr> <dbl> <int>
## 1 Fahrrad ja 1.69 13
## 2 Fahrrad nein 1.75 57
## 3 Lastenfahrrad ja 1.31 148
## 4 Lastenfahrrad nein 1.49 59
Umwege nach Nutzung
Häufigkeit von Hindernissen
Wie häufig treten welche Hindernisse auf einer Skala von 1: sehr selten bis 5: sehr häufig auf?
Da die meisten Antworten aus Berlin kommen, kann hier die Gesamtübersicht nicht global betrachtet werden. Stattdessen sollte jede Stadt für sich betrachtet werden.
Schmale Radwege, unebener Belag, gefährliche Kreuzungen und Hauptstraßen ohne Schutzstreifen oder Radweg gibt es in einigen Städten. In Stuttgart sind zusätzlich besonders Steigung, Bordsteine und enge Straßen häufig zu finden.